Beziehungskiste Ronja 007
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There are very few people who, when their love is over, are not ashamed of having been in love

 
Zu Beginn einer Beziehung suchen wir nach Gemeinsamkeiten, später nach individuellen Unterschieden.
Wenn sich die Beziehung dem Ende zuneigt sehen wir nur noch das Trennende.
Helga Schaeferling


It's better to have 
loved and lost
than to have
never loved at all.

Allfred Lord Tennyson 

When you say good-bye 
to one thing,
it means a new thing 
can begin.

Melanie


Trennung bestehen

Diesen Menschen,
an dem mein Herz hängt,
der mir gänzlich unersetzlich ist,
freigeben
für seinen eigenen Weg,
das ist so unsagbar schwer,
mein Gott. 
Ein härterer Verlust
Hätte mich nicht treffen können.

Diesen Menschen loslassen,
mit dem ich Innerstes teilen konnte,
der mich reich gemacht hat
wie kein anderer,
Schmerzlicheres konnte mir nicht geschehen.
Beraubt fühle ich mich
und grenzenlos verlassen.
Tag und Nacht quält mich das Heimweh.

Ich weiß nicht,
wie ich es zuwege bringen soll,
die harte Wirklichkeit anzunehmen.
Unfassbar ist mir alles.
Mein Gott, bleibe bei mir.
Lass mich mit meinem Entsetzen
nicht allein.
Lass mich nicht bitter werden,
dass sich unserer Wege getrennt haben,
sondern mitten in aller Traurigkeit
dankbar bleiben für das,
was wir einander
für eine begrenzte Zeit sein durften.

aus: Du hast mein Dunkel geteilt von Sabine Naegeli
 
Texte zum Thema:
Rosenstolz
Clemens von Brentano
Heinrich Heine
Liebeskummer
Die Phasen des Liebeskummers


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Liebeskummer - der Liebe bitt'res Weh
Nur die Zeit oder eine neue Beziehung heilt die Wunden der Verlassenen

VON DIETMAR G. LUCHMANN

In der Nacht wälzt sich Hans B. schlaflos in den Kissen. Tagsüber wirkt er abwesend, abweisend, unkonzentriert. Tiefer Schmerz wühlt in seinem Inneren. Kein Arzt der Welt kann seine Wunden heilen. Das schafft nur die Zeit, verkürzt vielleicht vom Psychotherapeuten. Der Mittvierziger ist schwer krank. Er durchlebt - so wie Millionen Menschen in aller Welt und zur selben Zeit - eine schwere Leidensphase: Hans hat Liebeskummer.

Doch bevor die erotische Obsession in die zwanghafte Selbstentwürdigung oder gar in den Liebestod führt, empfiehlt sich Selbstbesinnung. "Ich bin sehr unglücklich, ich habe Liebeskummer, meine Eltern verstehen mich nicht und ich bin sehr einsam", berichtet eine unglücklich Verliebte von ihrem ersten Liebesschmerz. "Ich weiß nicht welchen Weg zu wählen, ich habe keine Freunde [...] ich muss etwas tun [...] ich möchte gern tot sein, aber ich würde immer noch sehr einsam sein". Liebesschmerz kann tatsächlich zur existenziellen Bedrohung werden. Unerwiderte Liebe oder der Verlust des Partners ist die häufigste Ursache für Selbstmord bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Liebeskummer kann auch entstehen, ohne dass es zu irgendeiner Art von Beziehung gekommen ist. Mitunter weiß der oder die Begehrte nicht einmal von den Gefühlen des anderen. "Ach, der Liebesschmerz ist der einzige Liebhaber so mancher stillen Mädchenseele", beobachtete der Schweizer Schriftsteller Jeremias Gotthelf. Es sind zumeist schüchterne Menschen, die sich aus Angst vor einer möglichen Zurückweisung nicht getrauen, ihre Gefühle zu offenbaren. Liebesbriefe, die niemals abgeschickt werden, sind so oft die traurigen Zeugnisse sozialer Ängste. Die Angst, von anderen belächelt zu werden, lässt sich jedoch umso besser überwinden, je früher der Weg zu einem kognitiven Verhaltenstherapeuten führt, denn häufig vermögen Menschen mit solchen Ängsten auch in einer Partnerschaft ihre Bedürfnisse nicht angemessen zu artikulieren - und scheitern dann wiederum in der Liebe. 

Nimmt eine unerwiderte Liebe einen exzessiven Charakter an, kann sie bis zum Stalking führen, der zwanghaften und penetranten Verfolgung des begehrten Menschen - eine auch strafrechtlich relevante Variation von Liebesleid, die in der Regel behandlungsbedürftig ist.

"Liebeskummer lohnt sich nicht, my Darling" sang einst die Schlagersängerin Wencke Myhre. Doch mit der Realität hat der fröhliche Song wenig zu tun. Der Verlassene fühlt sich tief gedemütigt und beschämt, belegt die psychologische Forschung. Und der Zurückweisende oder Verlassende hat mit Schuldgefühlen zu kämpfen. Ihm wird der "Schwarze Peter" zugeschoben, während der unglücklich Liebende sich betrogen, missachtet, zurückgewiesen, abgeschoben, unverstanden fühlt. Es nützt ihm zunächst recht wenig, dass er - auch in unzähligen Werken der Literatur - des Mitleids der Gesellschaft sicher sein kann. 

Trotz des gelegentlich dramatischen Leides sieht die psychologische Wissenschaft die unerwiderte oder enttäuschte Liebe als eine wertvolle, intensive und harte Erfahrung an, die die Kraft hat, das Leben zu verändern. Gerti Senger, Autorin eines Ratgebers für Liebeskranke, ist überzeugt, dass sich Liebeskummer sehr wohl lohnt, weil dieses Phänomen ein ungeheures kreatives Potential zutage bringen kann. Liebeskummer kann zum Ausgangspunkt einer persönlichen Entwicklung und der Entfaltung einer neuen Schaffensperiode werden. Viele Dinge, die sonst nie über das Stadium der Planung hinausgegangen wären, können angepackt werden, wenn die Starre überwunden ist und aus dem Leid eine sehr produktive Phase entsteht.

Gespräche mit Freunden können helfen, die Aufmerksamkeit auf die positiven Seiten dieser Erfahrung zu lenken und diesen Entwicklungsprozess zu beschleunigen: Denn Liebeskummer ist nicht nur Trauer, sondern vor allem eine Chance der Persönlichkeitsentwicklung. Wer einer Freundin oder eines Freundes ermangelt, kann sich auf diesem Weg durch einen Psychotherapeuten führen lassen.

Die Reaktionen auf den Verlust der Liebe eines Mitmenschen oder eine von vornherein unerfüllte Sehnsucht können dabei sehr verschieden sein. Leichte Formen lassen die Betroffenen nach relativ kurzer Dauer wieder nach vorn blicken. Schwere Formen können zu langer und schwerster Verzweiflung führen. Besonders im höheren Alter vermögen manche Menschen nicht, über den Verlust des Liebes- und Lebenspartners hinwegzukommen. Aus der Forschung ist bekannt, dass bei älteren und emotional sehr von einander abhängigen Ehepartnern nach dem Tod eines Partners der andere häufig innerhalb sehr kurzer Zeit ebenfalls stirbt. 

Auch in weniger dramatischen Fällen, in denen die Gedanken nicht bis zum Suizid schweifen, kann echter Liebeskummer zu schweren psychischen und körperlichen Erkrankungen führen. Anfängliche Einschlafstörungen können sich in durchwachten Nächten, in denen die Gedanken wieder und wieder um den geliebten Menschen kreisen oder die Schmach des Verlassen-Werdens die Stresshormone hoch peitscht, zur Schlaflosigkeit entwickeln. Der selbstverursachte Stress führt leicht zu psychosomatischen Störungen, Ängsten und Depressionen. 

Obwohl gerade die Angst vor dem Alleinsein sie besonders bedrückt, ziehen sich Menschen, die unter Liebeskummer leiden, auf sich und in sich selbst zurück. Sie verlieren das Interesse an anderen und meiden den Kontakt selbst zu nahe stehenden Menschen. Wenn die Betroffenen diese Entwicklung nicht erkennen, gelangen sie hierdurch leicht in einen sich selbst verstärkenden depressiven Teufelskreis. Es gibt schließlich nichts mehr, was die Betroffenen noch erfreuen kann, der Rückzug lässt die Welt grau, öde und leer erscheinen und die eigene Inaktivität verhindert jegliche positive Erfahrung: eine Depression entsteht.

Fast immer gehen mit dem Liebeskummer auch deutliche Leistungseinbrüche in Ausbildung, Beruf oder Sport und bei der Bewältigung des Alltags einher. Gelegentlich führt der Leistungsknick des Liebesleidenden zum Karriereknick. Dennoch wird das epidemische Leiden allzu oft - und unzulässig - nach dem Motto "Die Zeit heilt alle Wunden" als alltäglich abgetan.

Wer Liebeskummer hat, durchläuft zumeist bestimmte Stadien von Erleben und Verarbeitung.
 
 


Die Phasen des Liebeskummers

Die  Autorin Senger sieht beim Wechsel von der alten zur neuen Identität fünf Phasen des Liebeskummers: Zuerst spürt man, dass die Katastrophe kommt ("Bedrohung"). Zwar ist es mehr ein Ahnen oder "Wittern" als ein Wissen, doch der Instinkt ist untrüglich. Man nimmt wahr, dass irgendwas nicht mehr stimmt, aber man kann noch nicht genau sagen was. Diese Ungewissheit kann bei längerer Dauer leicht zu ersten körperlichen Reaktionen und Störungen führen, in die die fortgesetzte Anspannung sich entlädt (Somatisierung). Psychologen sprechen von vier Phasen der Trauer, sobald die Trennung vollzogen ist. 
 


Zunächst bricht eine Zeit des Nicht-Wahrhaben-Wollens an, verlassen worden zu sein. Denn die meisten Beziehungen werden einseitig beendet. Und der, der gehen will, bereitet sich insgeheim darauf vor, während der andere zunächst überrumpelt wird. Für den Verlassenen brechen die Orientierungspunkte weg, die Existenz scheint gefährdet und ein Zustand der Lähmung tritt ein, in dem zunächst einmal Kräfte gesammelt und seelische Vorbereitungen getroffen werden müssen, um mit der Situation fertig zu werden ("Lähmung").

Erst danach beginnt die "unangenehmste" Etappe auf dem Weg zu neuem Glück: Dann nämlich brechen starke Gefühle über den Leidenden herein - Trauer, Verzweiflung, Wut, Depressionen und das Gefühl der Hilflosigkeit. Die Tränen, die bei fast allen hier fließen, sind keine Tränen der Trauer, sondern eine Stressreaktion, die die unerträgliche innere Spannung reduziert. 

Männer stürzen sich in dieser Phase gern in die Arbeit oder betäuben ihren Schmerz mit Alkohol. Frauen greifen eher zu Medikamenten oder plündern den Kühlschrank. Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme kann oft ebenso die Folge sein wie Essattacken und Gewichtszunahme. Gerti Senger, die diese Etappe "Verhandeln" nennt, spricht vom Versuch, die Lähmung zu überwinden und die Kontrolle zurückzuerlangen. 

Jetzt beginnen auch die natürlichen Selbstheilungskräfte zu arbeiten, die in jedem Menschen stecken. Es beginnt ein Kampf um den Erhalt der Beziehung. Auch ein Aufschub der endgültigen Trennung soll vor allem bei Männern die Bitternis des Verlassen-Werdens abmildern, doch eigentlich ist der Weg zum tatsächlichen Trauerprozess bereits beschritten. Noch aber braucht man Zeit, um ein neues Selbstbild zu entwerfen, das nicht mehr auf der Identität und Lebensplanung als Paar beruht. Erst danach ist man in der Lage, eigene Wege zu gehen.
 


Wenn diese Phase ausgestanden ist, beginnt die Verarbeitung. "Schmerz, der nicht spricht, erstickt das volle Herz und macht es brechen", lesen wir bei William Shakespeare. So sucht der Liebeskranke bald das Gespräch mit Freunden und stürzt sich vielleicht in sexuelle Abenteuer, ohne jedoch schon für eine neue Partnerschaft bereit zu sein. Erst jetzt kann das endgültige Scheitern der Beziehung erkannt werden. In dieser Phase des Trauerprozesses, die Gerti Senger die "Regression" nennt, sind viele Betroffene nicht arbeitsfähig. Sie wehren die Realität ab und machen eine andere Person und/oder "Fremdverschulden" für die Trennung verantwortlich. Gleichzeitig überschütten sie sich mit Selbstvorwürfen und flüchten nicht selten ins Bett, um Wärme und Geborgenheit zu spüren; sie fühlen sich furchtbar verlassen und mutterseelenallein.

Erst in der letzten, der "Akzeptanz"-Phase kommt die endgültige Loslösung vom ehemaligen Objekt der Begierde. Erst hier werden die vielschichtigen Ursachen für das Scheitern der Beziehung zur Kenntnis genommen. Das alles braucht Zeit. Obwohl der Schmerz noch unerträglich erscheint, wird der Partner erstmals als verloren akzeptiert. Mit der Trauerarbeit über den Liebesverlust geht jetzt das Bemühen einher, eine eigene Lebensperspektive zu finden, eine neue innere Welt aufzubauen. Große Sehnsucht und Tränen brechen in dieser Phase immer wieder durch, können aber das Fortschreiten auf dem Weg zu sich selbst - oder einer neuen Beziehung - nicht mehr aufhalten und werden sogar zu einer Quelle neuer Kraft.

empfehlenswert:
Liebeskummer. Eine Chance.
 

 


 
 

Nach dem Bruch längerer Beziehungen benötigen die Leidenden nach Erfahrungen von Psychotherapeuten bis zu drei Jahre, um mit der tiefen Verletzung fertig zu werden. Obwohl unter Liebeskummer Männer genauso leiden wie Frauen, gibt es in der Verarbeitung gleichwohl Unterschiede: Nur jeder dritte liebesleidende Mann vertraut sich mit seinem Kummer anderen an. Von den Frauen hingegen suchen 90 Prozent Trost bei Freundinnen. Frauen fällt es offensichtlich leichter, sich den Schmerz von der Seele zu reden, während sich Männer in ihrer Identität als Eroberer bedroht fühlen. Sie erleben den Liebeskummer daher auch als peinliche Schwäche.

Es gibt viele Tipps, wie die Zeit des Liebesschmerzes besser zu überstehen sein soll. Manche sind hilfreich, viele sind unbrauchbar, einige schädlich. Im Kern ist - auch wenn immerfort die Gefühle im Mittelpunkt stehen - die Verarbeitung einer Trennung oder Zurückweisung zuallererst eine Sache des Verstandes. Die gescheiterte Beziehung, den potentiellen oder verlorenen Partner und die eigene Person realistischer und klarer sehen zu lernen, hilft ungleich mehr als der Griff zu Ersatzdrogen wie Pralinen, Nougat, Eis und Torten. Die sollen zwar "vor dem sicheren Liebeshunger-Tod" bewahren, wie ein Boulevard-Blatt meint, weil Serotonin- und Endorphin-Gipfel beruhigen und die Stimmung heben, führen aber eher geradewegs zum Kummerspeck. Besser sind da Offenheit bei den Gefühlen, viele Gespräche und Zeit für Besinnlichkeit. Auch sich selbst mit gutem Essen, einem entspannten Badewannenabend oder Urlaub zu verwöhnen, kann Starre und Lähmung lösen. Freilich sind diese Empfehlungen nicht nur für den Trennungsschmerz gut, sondern noch mehr für die Pflege und den Erhalt einer Beziehung. Insgesamt jedoch hilft Aktivität, das Steuer wieder in die Hand zu bekommen.

"Wer dazu neigt, vor Liebeskummer aus dem Fenster zu springen", empfahl der italienische Filmschauspieler Alberto Sordi, "sollte nur im Parterre wohnen". Allerdings helfen alle Schutz- und Ablenkungsmanöver - sei es Sport, Sex oder Suchtmittel - nur auf kurze Zeit. Selbstschädigende Ablenkung oder gar die Flucht durch den Umzug in eine andere Stadt überwinden den Liebesschmerz nicht wirklich, sondern mindern eher den positiven Effekt der Trennungserfahrung. Eine gewisse Trauer ist nicht nur angemessen, sondern auch hilfreich, damit die Trennung verarbeitet werden kann. Um aus dieser Erfahrung zu lernen, sollte der Liebeskummer nicht ignoriert und verdrängt, sondern bewusst durchlebt werden - auch wenn die Klaviatur der Gefühle dabei von Wut und Verzweiflung über Hass und Trauer bis zu Eifersucht und Begehren reicht.

Manchen mag mit Blick auf die lodernden Gefühle für den vermeintlich einzigen Menschen, mit dem man "alt werden" wollte, die uralte Erfahrung trösten, die der französische Philosoph und Humanist Michel Eyquem Seigneur de Montaigne vor über 400 Jahren niederschrieb: "Ich habe beobachtet, daß eigentlich nur solche Ehen in die Brüche gehen, die wegen der Schönheit und aus Liebessehnsucht zustande gekommen sind: Die Ehe braucht festere und dauerhaftere Grundlagen, große Behutsamkeit ist, wenn man sich zu ihr entschließt, vonnöten, kochende Liebesglut taugt dazu nicht."

Das emotionale Schüttelbad von Trennung und Selbsterkenntnis kann die Hölle sein, doch der Schmerz und die Trauer setzen auch eine Entwicklung in Gang, die hilft, die eigenen Bedürfnisse wieder deutlicher wahrzunehmen und neu zu justieren. Am besten eignen sich aus der Sicht von Psychotherapeuten Gespräche mit anderen, um die Krise zu überwinden. Es ist wichtig, diese harte Zeit zu durchleben. Es kann trösten, die positive Seite dieser Erfahrung zu sehen: Man reift. Eine solche Situation überstanden zu haben, stärkt das Selbstbewusstsein. Liebeskummer, das vermeintliche Unglück pur, kann somit als eine große Chance zu persönlichem Wachstum genutzt werden!
 

Quelle

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Heinrich Heine dichtete in seinen Liedern 1824:

Man glaubt, daß ich mich gräme,
In bitterm Liebesleid,
Und endlich glaub ich es selber,
So gut wie andre Leut.

Du Kleine mit großen Augen,
Ich hab es dir immer gesagt,
Daß ich dich unsäglich liebe,
Daß Liebe mein Herz zernagt.

Doch nur in einsamer Kammer
Sprach ich auf solche Art,
Und ach! ich hab immer geschwiegen
In deiner Gegenwart.

Da gab es böse Engel,
Die hielten mir zu den Mund;
Und ach! durch böse Engel

Bin ich so elend jetzund.

 

Der Doppelgänger

Still ist die Nacht, es ruhen die Gassen,
In diesem Hause wohnte mein Schatz;
Sie hat schon längst die Stadt verlassen,
Doch steht noch das Haus auf demselben Platz.

Da steht auch ein Mensch und starrt in die Höhe,
Und ringt die Hände, vor Schmerzensgewalt;
Mir graust es, wenn ich sein Antlitz sehe -
Der Mond zeigt mir meine eigne Gestalt.

Du Doppelgänger! du bleicher Geselle!
Was äffst du nach mein Liebesleid,
das mich gequält auf dieser Stelle,
So manche Nacht, in alter Zeit?

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Rosenstolz
Diese Stücke von Rosenstolz sollte man(n)/frau lieber nicht kurz nach einer Trennung hören - 
oder vielleicht gerade dann, denn es ist schön, wenn der Schmerz nachlässt. ;-)
Der Moment
Alles wird besser
Herzensschöner

Der Moment

Wo ich war, das weiß ich jetzt
nicht mehr genau,
weiß nur eines Tages warst du da.
Hast mein Leben völlig
auf den Kopf gestellt
und ich war ein kleines Stück von dir

Doch dann kam der Tag für dich
und deine Welt
und ich fand´ nicht mehr zu mir zurück.

Und was mir bleibt
ist dein Gesicht
und das Gefühl
geteilt zu sein.
Will ich dich jemals wiederseh´n,
jemals wiederspür´n,
oder war es nur der Moment

Wieviel Zeit inzwischen wohl
vergangen ist,
wieviel Angst und wieviel Einsamkeit?
Nur daß meine Welt
ein wenig reicher ist
oder leer - wir war´n wohl nicht bereit?

Vielleicht war´s einfach nicht
die rechte Zeit für uns,
mag sein ich finde bald zu mir zurück

Doch dann kam die Zeit für dich
und deine Welt
und ich find nur schwer zu mir zurück.

top


Alles wird besser

Und schon wieder geht ein Jahr
Ich vergesse
viele Namen
doch noch such´ ich das Gefühl

Und sanft küss´ ich deinen Mund
So nah wie einst
doch meilenweit entfernt
gekannt nur kühl
Wo ist es hin
was da mal war?
Wer hat meine Angst gestohl´n?

Alles wird besser
doch nie wieder gut
Alles wird schöner
doch nie wieder heiß

Kein Fieber brennt,
nichts in mir schreit.
Warum tut mir nichts mehr weh?
Ich wollte schneller als die Zeit sein
aus Angst die Nähe zu verlier'n.
Alles wird besser
Und ich kenn´ mich viel zu gut:
Alles von mir
satt geseh´n
und ich frag´ mich was noch kommt.

Lautlos schleich´ ich mir davon.
So wie einst
Geheimagent
der sich sucht - doch niemals fand.

Bin auf der Flucht,
bin auf der Jagd,
wer hat meine Angst gestohl´n?
Alles wird besser...

top


Herzensschöner

Als ich eines Tages dachte,
dass ich verloren bin,
begraben und verloschen,
küsstest du mir Sinn
in mein verstaubtes Leben
in meiner Seele Eis
und ich begann zu glauben
ein Feuersturm wär heiß ... 

Machs gut mein Herzensschöner,
nun lasse ich dich ziehn.
Vergiss was ich gewollt hab,
auch Scherben können blüh'n.
Machs gut, mein kühles Feuer
und lass mich weiter frier'n.
Wer weiß im nächsten Leben
werd ich dich nicht verlier'n.

Was mich das Lieben lehrte
bis dann vergaß ich bald.
Zu schön war das Erleben,
so schön und doch so alt.
So alt und so verdorben,
zu oft zu früh gesagt,
dass Worte Herzen morden,
doch Seelen bleiben kalt.
 

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Wohlan! so bin ich deiner los
Du freches, lüderliches Weib!
Fluch über deinen sündenvollen Schoß,
Fluch über deinen feilen geilen Leib,
Fluch über deine lüderlichen Brüste,
Von Zucht und Wahrheit leer,
Von Schand und Lügen schwer,
Ein schmutzig Kissen aller eklen Lüste.
Fluch über jede tote Stunde,
Die ich an deinem lügenvollen Munde
In ekelhafter Küsse Rausch vollbracht,
Fluch über jede gottvergessne Nacht,
Die ich in deinem frechen Bett erhandelt,
Die ich in toller Liebe überwacht,
Wohl unter deinem Fenster hingewandelt,
Wenn du mit andern in dem Werk befangen,
Mit andrer Lüg' an anderm Mund gehangen.
Mein Gott, mein Gott, er will sich mein erbarmen,
Mein Herr hat mich befreit aus deinen Armen,
Wohin dein Gott, der Satan, mich geführt;
Drum hab ich nimmer dir dein Herz gerührt,
Und wie ich mochte bitten, mochte flehen,
Kein edles Wort hört ich von dir erstehen,
Du drohst, du elend Weib, dich zu ermorden,
O könntest du's, es stürb dein ganzer Orden
Doch spar die Mühe nur, denn du bist längstens tot,
Längst faulst du in dir selbst, in Sünd und Lügenkot.
Schneidst du den Hals dir ab
Und springst du in die Spree,
Du findest nie ein Grab,
Die Spreu schwimmt in die Höh.
Des Todes heiliger Traum
Wird nimmer dich erlösen,
Es stirbt ein grüner Baum,
Doch nie ein dürrer Besen.
Zur eignen Rute wirst du noch an deinem Rücken,
Und höchstens reicht dein Leib dir einstens schlechte Krücken.
Wohlan, du elend Weib, nun sind wir auf der Stelle,
Wo wir zuerst uns sahn, ich, du und dein Geselle,
Ich mein den Teufel, Weib, der deine Seele reitet,
Hör wie sein Flügel rauscht, den über dir er breitet,
Ich hör den dunklen Fluß, es tönt die dunkle Welle.
Du Lügnerin leb wohl, leb schlecht, hier ist die Schwelle,
Wo sich mein reuig Herz von dir, du Hexe, scheidet,
Verdorren mag der Fuß, der je dein Bett beschreitet,
Ich hab dich nie gekannt, ich hab dich nie gesehen,
Es war ein böser Traum, er muß hinuntergehen.
Das lüderliche Buch, um das du mich betrogen,
Aus dem du geile Brunst für andrer Lust gesogen,
Ich werfe es hinab in diese schmutzgen Wogen,
Und mit ihm werf ich hin, was ich für dich gefühlt,
Daß sich die böse Glut, die mir das Herz zerwühlt,
In dieses Flusses trüber Welle kühlt.
Nimm hin den Scheidekuß
Ich geb ihn ohn Verdruß,
Von mir sei dir verziehn,
Wend dich zu Gott dahin
Und fleh, daß er verzeih;
Dem Sünder steht es frei.
Er ist für dich, für mich, für Alle uns gestorben,
Ich habe im Gebet mir Trost von ihm erworben.
Ich hab des Heilands Bild in deine schnöden Hände,
So bin durch dich ich auch zu einem Judas worden,
Den Herrn hab ich verkauft an die, die ihn ermorden,
Erbarm dich meiner Seel, und zu dem Kreuz dich wende,
O mache, daß er dich erlöst mit seinem heiligen Blut,
So darf ich ruhig sein, daß ich so fromme Gabe
An dich, du elend Weib, so schnöd vergeudet habe,
Nun wend ich mich von dir, ich will in Frieden gehn,
Ich will unschuldig nun die Sterne wiedersehn,
Ich will zu Gott dem Herrn um Hülfe für dich flehn,
Daß dich die Gnade sein barmherzig mög anwehn
Daß einen Engel er zu dir ermahnend sende,
Daß er dein elend Herz wie meines zu sich wende,
So gehet nicht mein Schmerz, doch Leid und Lieb zu Ende.



Quelle: Clemens Brentano: Gedichte. Hg. von W. Frühwald. Reinbek 1968.

 

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