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Literatur zum Thema "Fernbeziehung"

Fernbeziehungen sind ganz groß im Kommen, für die meisten Betroffenen wohl eher unfreiwillig, alerdings gibt es auch Paare, die ganz bewußt diese Form des Zusammenseins wählen.

Auf jeden Fall beschäftigen sich zunehmend auch Soziologen, Psychologen, Journalisten mit diesem Thema und somit gibt's auch einiges an Lektüre.

Einige Artikel habe ich hier auf dieser Seite gesammelt. 
Weiter unten findest Du noch  Buchtipps .

mehr zum Thema findest Du auf den Seiten 
Fernbeziehung -  Berühmte Paare
Fernbezieung - distant love

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Artikel zum Thema Fernbeziehung

 
Zusammenziehen oder Liebe auf Distanz?
Wochenendbeziehung - Chance oder Risiko?
Partnerschaft in vollen Zügen
Räumlich getrennt seelisch vereint
Ferne Liebe - Wochenendbeziehungen
Über Abschiedneu

 
 
"Jeder sollte sein eigenes Leben schon gelebt haben."

 

Zusammenziehen oder Liebe auf Distanz?

 Wie oft man seinen Partner sehen möchte, hängt ganz vom persönlichen Typ ab. Manche können keinen Tag ohne. Andere fühlen sich schon nach kurzer Zeit vom Partner genervt und eingeengt. Eine dauerhafte Beziehung wünscht sich aber fast jeder. Statistisch gesehen hält die Liebe auf Distanz zwar nicht so lange wie eine enge Beziehung, aber Tücken haben sie beide. 

Die Lust zusammenzurücken sei ein Urbedürfnis, meinen Psychologen. Vor allem frisch Verliebte möchten den Partner so oft wie möglich um sich haben. Doch sollte man spätestens beim Zusammenziehen darauf achten, seine eigenen Bedürfnisse durchzusetzen. "Viele reagieren sauer, wenn der Partner mal einen Abend alleine oder mit Freunden verbringen möchte", meint ein Psychologe. Dabei tut gerade Abwechslung dem Beziehungsalltag gut. Denn jeden Abend zusammen auf dem Sofa zu hocken, birgt die Gefahr der Langeweile und Abhängigkeit. Auch lässt die Routine des Alltags oft keine Zeit, über Probleme, Sorgen und Sehnsüchte zu sprechen. Wer alles nur runterschluckt, schreit wegen "des nicht heruntergeklapptemnKlodeckels" rum, statt über seine Wünsche und seinen Frust zu reden. Hier gilt: Einfach mal den Fernseher ausschalten und sich Zeit für einander nehmen. 

Über Klodeckel und die Frage, wer den Müll rausbringt, müssen sich Paare, die getrennt voneinander wohnen, nicht ärgern. Viel mehr müssen beide Partner in der Lage sein, ihr Leben auch selbstständig zu führen. Diese Unabhängigkeit kann eine ungeahnte Qualität bedeuten: Man geht nicht so besitzergreifend miteinander um. Dafür leidet die Liebe auf Distanz daran, sich für jedes Treffen mit dem Partner neu verabreden zu müssen. Gerade bei Wochenendbeziehungen macht da der volle Terminkalender Probleme. Wer sich aber ganz bewusst dafür entschieden hat, getrennt voneinander zu wohnen, der hat die Chance, sich die Beziehung nicht durch Alltagsprobleme zerstören zu lassen. 

Experten raten Paaren, erst zu prüfen, dann zusammen zu ziehen. "Jeder sollte sein eigenes Leben schon gelebt haben." Gemeint ist damit, seine eigene Unabhängigkeit schon erfahren zu haben und in seinem sozialen Umfeld fest verankert zu sein. 

Autorin: Kirsten Frielinghau Quelle

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Respekt und Toleranz und  Vorsicht 

 

Wochenendbeziehung - Chance oder Risiko?

Der typische Wochenendrhythmus: Freitag nach der Arbeit schnell in den  Zug oder in das Auto, Ankunft zu Hause, und die kurze Ehe kann  beginnen. Am Sonntagabend die noch nicht ganz ausgepackte Reisetasche wieder einräumen, ein kurzes oder längeres Verabschieden, und wieder geht es in den Zug oder das Auto. Wieder für 5 Tage. Für einige Paare ist dies zu einer vorübergehenden, für andere zu einer langfristigen bis dauerhaften Lebensform geworden.

Unsere Gesellschaft ist moderner geworden, viele Lebensumstände haben sich gravierend verändert, und dennoch wird gesellschaftlich ein besonderes Augenmerk auf die klassische Form des Beziehungs- und Familienlebens gelegt. Wochenendbeziehung, gerade ein Ausdruck der Anforderungen an die berufliche Mobilität, wird von der Gesellschaft als notwendiger Bestandteil auch neuer Lebensumstände nur wenig  berücksichtigt. Die Arbeitgeber, die Finanzämter und auch andere Behörden, die Bundesbahn, Fluglinien, Kindergärten und Schulen haben keine Antworten auf die speziellen Fragen, für die besonderen Sorgen und Bedürfnisse von Menschen, die in Wochenendbeziehungen leben.

Eine groß angelegte Studie an der Universität Mainz hat sich nun daran gemacht, zu untersuchen, wie kinderlose Paare oder Elternpaare mit den Anfordernissen der Mobilität umgehen, und welche konkreten Lösungen sie im Hinblick auf die Wahl und Ausgestaltung ihrer Lebensform entwickeln. Fest steht, daß Partner, die heute aus großer Entfernung heraus ihr Liebes- und Beziehungsleben führen, über viel Geduld, Geld und ein großes Organisationstalent verfügen müssen. Sie müssen darüber hinaus Kompetenzen haben, partnerschaftliche Herausforderungen und Probleme in einer Weise zu lösen, die die Wochenendbeziehung nicht gefährdet.

Meist ist es eben gerade die berufliche Mobilität, die eine immer größer werdende Zahl von Paaren bzw. Familien auf die Lebensform der Wochenendbeziehung abstellt. Die Umstrukturierung des Arbeitsmarktes und die gestiegene Berufsqualifizierung erhöhen, ebenso wie die hohe Arbeitslosigkeit, den Mobilitätsdruck. Die berufliche Mobilität ist längst nicht mehr auf bestimmte Berufsgruppen oder die Chefetage beschränkt. Es ist vielmehr davon auszugehen, daß weitgehend unabhängig vom erlernten Beruf die Zahl derer weiter wachsen wird, die sich aufgrund - der eigenen Berufstätigkeit oder der des Partners mit den Erfordernissen - der Mobilität und damit auch dem Beziehungsleben am Wochenende konfrontiert sieht. Selbstverständlich haben diese oft extern bestimmten Erfordernisse Auswirkungen auf die Ausgestaltung der Partnerschaft und des Familienlebens. Werden kinderlose oder Paare mit Kindern mit der Auswärtsbeschäftigung eines Partners konfrontiert, gibt es zwei Möglichkeiten zu reagieren:
- Das Paar stellt sich auf diese Anforderungen ein und zeigt sich "mobil".
 - Oder die Mobilität wird verweigert, was gegebenenfalls Arbeitslosigkeit  oder gegebenenfalls den Verzicht auf den beruflichen Aufstieg nach sich zieht.

Stellen sich Paare und Familien auf die Herausforderungen der beruflichen Mobilität ein, kann dies auf unterschiedliche Art und Weise geschehen:
  - Junge Paare und Paare, die umzugserfahren sind, verlagern ihren Haushalt.
 - Lange Anfahrtswege zur Arbeit werden in Kauf genommen, um einen gemeinsamen Wohnort des Paares und der Familie zu erhalten. In der Regel erfolgt das Pendeln täglich oder alle zwei Tage.
 - Es wird ein Zweithaushalt am Arbeitsort gegründet, der vor allem während der Arbeitstage genutzt wird. An den Wochenenden oder in anderen freien Zeiten teilen die Paare den gemeinsamen Haupthaushalt.
 Dies wird Shuttle-Partnerschaft genannt und häufig gemacht, wenn am gemeinsamen Wohnort ein Wohneigentum besteht oder wichtige soziale Beziehungen existieren.
- Wird kein Zweithaushalt gegründet, ist einer der beiden Paare in der Regel "auf Achse". Dies ist vor allem dann notwendig, wenn die berufliche Tätigkeit an wechselnden Orten durchgeführt wird. In dieser Zeit lebt der mobile Partner in Hotels oder anderen Unterkünften. Ein gemeinsamer Umzug scheidet oft auch aufgrund der wechselnden Arbeitsstätten aus.Diese Erfordernisse sind häufig ein charakteristisches Merkmal bestimmter Berufsgruppen, z. B. Vertreter, Pilot, Manager. Meist ist hier bei der Wahl des Berufs schon die Konsequnez für die Lebensführung vorhanden.
  - Haben Paare keine Kinder, kommt auch der Doppel-Haushalt in Frage.
Es gibt keinen gemeinsamen "Haupthaushalt". Um so zu leben, ist häufig nicht allein die berufliche Situation ausschlaggebend. Es kann auch eine Form des Beziehungslebens sein, getrennte Haushalte zu führen und immer wieder Nähe durch Distanz zu schaffen.

Viele Paare können eine allzu enge Bindung nicht ertragen, und für sie ist die Fernbeziehung eine Lösung für Partnerschaftsprobleme.Dennoch ist die Wochenendehe und Wochenendpartnerschaft mit vielen Problemen belastet:

- Das Zusammensein ist die Ausnahme,
- nie kehrt Alltag ein, 
- Begegnungen müssen geplant werden, 
- der Partner wird in den Phasen der Abwesenheit sehr vermisst.
- Die Erwartungen für die Begegnungen sind in der Regel sehr hoch, sie müssen gelingen,
- ständig wird der Koffer gepackt,
- das ständige Hin und Her erzeugt ein Gefühl von Zerrissenheit
- es mangelt an Zeit für die sozialen Beziehungen zu Hause, 
 - für den reisenden Partner wächst das Gefühl, nirgendwo und selten richtig zu Hause zu sein. 
- Zwei Haushalte kosten mehr Geld als ein Haushalt
- das häufige Telefonieren und die vielen Fahrten verschlingen darüber hinaus viel Geld.
- Und: es heißt immer wieder: guten Tag, hier bin ich; und immer wieder heißt es, Abschied zu nehmen.
- Eifersucht und tägliche Einsamkeit stellen zwei Herausforderungen in der Zeit der Trennung für die Partner dar.
- Die Partnerschaft kann auseinanderdriften, die Partner brauchen sich nicht mehr, ein zunehmendes Fremdwerden kann in Gang gesetzt werden.

Eine große Bedeutung dafür, ob das Wochenende gelingt hat der Moment des Wiedersehens. Manche Partner versuchen, möglichst viele Dinge bereits vorher zu erledigen, um die gemeinsame Zeit nicht unnötig zu verkürzen. Hochstimmungen treten vor dem Treffen auf, die auf Grund momentan unterschiedlicher Stimmungen beider Partner plötzlich auch urch das Gefühl und das Bewußtsein der Distanz verschreckt werden kann. Ob das Treffen gelingt und wie es gestaltet wird, ist sehr unterschiedlich und hängt vom Temperament, von Stimmungslagen, von vorherigen Erlebnissen ab und auch davon, ob ebenfalls Kinder warten.

Manche Paare verschwinden sofort im Bett, andere tasten sich erst einmal vorsichtig heran, erzählen, essen zu Abend, trinken ein Glas Wein, sehen fern o.ä. Bei Paaren mit Kindern stehen diese erst einmal im Vordergrund.

Sollte Streit auftreten, sehen viele Partner die Notwendigkeit, diesen auch  noch am Wochenende beizulegen. Sie gehen nicht gerne mit einem schlechten Gefühl auseinander, wenn die Angelegenheit unerledigt ist.
Für manche Paare gehört der Streit auch fast routinemäßig zum Wochenende, weil er die räumliche Distanz überwinden hilft und nach der Distanz wieder Nähe schafft.

Eine Liebe auf Distanz muß gehegt und gepflegt werden. Im Vorbeigehen können keine Probleme gelöst werden, die sich in Partnerschaften und Familien unweigerlich und auch normalerweise einstellen. 

Das Einstellen-Können aufeinander ist also ein weiterer wichtiger Aspekt. Die Zeit ist zu kurz, um viel Zeit an das Aneinandergewöhnen verschwenden  zu können. Leidenschaft und die Lust aufeinander bedürfen einer schnellen Entwicklung, Probleme müssen kompakt erörtert und konzentriert gelöst werden. Viele Probleme werden außen vorgehalten und eben nicht gelöst, weil die kostbare Wochenendzeit den Partnern zu schade dafür ist. Dies kann durchaus Sinn machen, wenn die Klärung wichtiger Fragen nicht außen vor bleibt.

Eine besondere Belastung stellen Wochenendbeziehungen für die Paare mit Kindern dar, die also ein Familienleben führen. In der Regel liegt dann die gesamte Belastung der Haushaltsführung und Kindererziehung bei einem Partner, in der Regel bei der Mutter. Ist sie berufstätig, erfährt sie eine ungemeine Mehrfach-Belastung und erwartet häufig vom am Wochenende heimkehrenden Partner die Übernahme von  Haushaltsaufgaben und von der Betreuung der Kinder. Dieser jedoch freut sich eher auf ein entspanntes und lustvolles Wochenende, selbst geschafft von den Anstrengungen der auswärtigen Arbeitstage. Sie hat gute Gründe für ihre Forderung nach Entlastung, er hat gute Gründe für sein Bedürfnis nach Entspannung, bei dem ihm keinesfalls der Sinn nach Haushaltsarbeit steht. Diese unterschiedlichen Erwartungen können zu massiven Beziehungsspannungen und –konflikten führen. 

Natürlich erleben dieses Konfliktpotential auch Paare, die die ganze Woche über zusammenleben, die aufgrund von der Doppelbelastung der Ehefrau und des beruflich stark eingespannten Ehemannes mit sehr unterschiedlichen aufeinander bezogenen Erwartungen kaum mehr zusammenfinden.

Aber nicht selten steckt für Paare in der Aufgabe der traditionellen Lebensform und dem Leben von Wochenendbeziehungen auch eine Chance. 
- Die Liebe findet durch die Distanz immer wieder eine große Nähe
- die Gefühle sind selten gleichförmig, sondern eher durch die Sehnsucht und die Vorfreude auf das Wiedersehen geprägt. 
- Es gibt wenig Gewohnheiten, die zu Ermüdungserscheinungen im Beziehungsalltag führen, 
- und innerhalb der Woche können beide ihr eigenes Leben so gestalten, wie sie es sich wünschen. 
- Viele Zwänge sind verschwunden, die ein ständiges Zusammenleben fast zwangsläufig mit sich bringen. 
- Nicht alle Beziehungsprobleme müssen gelöst werden, die Zeit ist kostbar, manches erledigt sich von selbst, auch ist die eigene Rücksichtnahme der Partner größer, wodurch dem Entstehen mancher Probleme auch vorgebeugt werden kann.

Nur: diese Form des Liebeslebens ist unfreiwillig, wenn sie durch berufliche Mobilität hervorgerufen worden ist. Es ist dann eben kein Leben ohne Alltagsstreß, und die Theorien, die viele Außenstehende über das Erstrebenswerte dieser Beziehung im Kopf haben, hat wenig mit der Realität der betroffenen Paare zu tun.

In der Regel stellt die Wochenendbeziehung einen Kompromiß zwischen den Wünschen und der Realität dar und erfordert eine stabile Beziehung. Viele Wochenendpaare haben sich mit ihrer Situation arrangiert, andere sind immer noch auf der Suche nach einem funktionierenden Arrangement für ihre Fernliebe. Sollen die eigenen Wünsche nicht zu kurz kommen, ist weniger Zeit für die Zweisamkeit vorhanden und umgekehrt.

Es ist ein häufiges Pendeln zwischen dem Wunsch nach ständigem Zusammenleben und der Weiterführung der Liebe auf Distanz.

Und so ist für viele Paare die Wochenendehe nur eine Frage der Zeit und keine Dauerlösung. 
Gerade Paare mit Familie wünschen sich ein rasches Ende der Wochenendfamilie, und bei jungen Paaren, die in eine solche Beziehung hinein ein Kind bekommen, endet die Distanzbeziehung doch schneller als geplant. Bleibt es bei der Wochenendbeziehung, kehrt die Mutter nur selten aus ihrem Mutterschutz an ihren Arbeitsplatz zurück. Und auch das führt aufgrund ihrer dadurch bedingten zunehmenden Unzufriedenheit zu starken Partnerkonflikten.

+Natürlich ist auch Familienleben mit Wochenendbeziehungen möglich. 
In der Woche lebt ein Partner, in der Regel die Mutter, mit den Kindern getrennt, fast im Sinne einer Alleinerziehenden, obwohl sie nicht vom Partner getrennt ist.

Viele Partner in den Wochenendbeziehungen verabreden die Zusammenkünfte vorher fest und genau. Es ist nicht nur die Arbeit und das Wiedersehen, was bei Terminabsprachen berücksichtigt werden muß. Auch Hobbys, Aktivitäten, individuelle Vorlieben und Abneigungen des Einzelnen werden in die Planung einbezogen. 

Viele Paare berichten auch, daß sie genauer begonnen haben, auf ihre eigenen Bedürfnisse zu blicken und nicht nur gewohnheitsmäßig handeln. Zufrieden ist die Partnerschaft insbesondere dann, wenn jeder dem anderen in gleicher Weise zugesteht, was er für sich beansprucht. 
Partner in funktionierenden Wochenendbeziehungen bringen viel Respekt und Toleranz sowie Vorsicht dem anderen entgegen. Selten gibt es Versuche, den anderen zu verändern, oder umzumodeln. Es gibt wenig Selbstverständlichkeiten. Vieles wird bewußt gemacht, ausgesprochen und offen auf den Tisch gelegt. Aushandeln ist häufig auf der Tagesordnung.
Quelle

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Das Leben gehört dem Lebendigen an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein. J.W. von Goethe

 

Partnerschaft in vollen Zügen

Die Fernbeziehung gilt als Lebensform der Zukunft. Immer mehr Leute wechseln aus beruflichen Gründen den Ort und  lassen ihre Partner zu Hause. Pendler klagen über hohe Kosten und Fremdheitsgefühle, Psychologen sehen gerade in der Distanz Chancen für die Partnerschaft.

Es war der Mond, den Goethe ansprach, wann immer ihn die Sehnsucht packte: "Doch du fühlst, wie ich betrübt bin, blickt dein Rand herauf als Stern! Zeugest mir, dass ich geliebt bin, sei das Liebchen noch so fern." 

Dem unsicheren Liebesboten am Himmel braucht niemand mehr zu vertrauen - der Telekom sei Dank. Nacht für Nacht klingelt und säuselt es, von Stadt zu Stadt, von Land zu Land. Dass das Liebchen in der Ferne weilt - zu Zeiten des alten Dichterfürsten eher die Ausnahme -, ist heute eine Erfahrung, die immer mehr Leute kennen. Schon 13 Prozent aller Paare in Deutschland leben eine sogenannte Fernbeziehung, und das Heer der unfreiwillig von Tisch und Bett Getrennten wächst und wächst, seit Deutschland von Berlin aus regiert wird. Wie einst die Nomaden ziehen Männer und Frauen zwischen Spree und Rhein hin und her. 

Für rund die Hälfte der Bonner Beamten, die mit der Regierung nach Berlin gekommen sind, ist die Hauptstadt nur Zweitwohnsitz, der Partner blieb zurück. So stehen jedes Wochenende für 2500 Heimwehkranke Sonderzüge und Flugzeuge bereit, die zusammenführen, was sich zusammenwünscht. 

Silke Neuhaus, 30, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundestagsabgeordneten Friedrich Merz, ist regelmäßig dabei. Sie wurde vor anderthalb Jahren in Bonn nur unter der Bedingung eingestellt, dass sie später mit nach Berlin gehe: "Natürlich habe ich da zugestimmt, heute muss man Bereitschaft zur Flexibilität zeigen, sonst bekommt man keine Jobs." 

Der Preis war klar: Ihren Freund Thomas Regh, der als Anwalt beruflich an Bonn gebunden ist, wird sie nun nur am Wochenende sehen - noch geben sich beide tapfer: "Wir schaffen das schon, in unserem Bekanntenkreis pendeln ohnehin die meisten, wir haben genug Vorbilder." 

Eine ganze Generation scheint die Liebe zur Arbeit der Nähe zum Partner vorzuziehen, und viele Zeitgeist-Skeptiker wittern wieder einmal ein Indiz für Karrierismus, Egozentrik und Bindungsunlust postmodern verwirrter junger Leute. 

Doch denen geht es meist gar nicht um die Verwirklichung hochtrabender Wünsche, sondern schlicht um einen Job, der annähernd der Ausbildung entspricht. Ein Blick in die Stellenanzeigen verrät es: Ob Volkswirt oder Ingenieur - Mobilität ist fast schon eine obligatorische Anforderung. 

Birgit Hasler, Personalbeauftragte bei IBM Deutschland in Stuttgart: "Weltweite Einsetzbarkeit ist bei Einstellungen immer ein Thema." Und: "Wer sich in neuer Umgebung beweist, hat gute Aufstiegschancen." 

Doch: Anders als einige amerikanische Unternehmer fühlen sich deutsche Arbeitgeber nicht veranlasst, auch dem Partner eines neuen Mitarbeiters einen Job zu vermitteln. Und da die Töchter der Frauenbewegung nicht mehr so selbstverständlich ihrem Partner von Ort zu Ort folgen, wie es einstmals die Oma tat, sondern selbst die Koffer packen, wenn ein guter Job lockt, wird die Zahl der halb freiwillig Getrennten immer größer. 

Der Münchner Kunsthistoriker Jan Wittmann, 30, ist zwar oftmals betrübt, dass seine Freundin Henrike Hahn, 29, sich jedes Jahr viele Monate im Ausland aufhält; aber, so sagt er, daran lasse sich nun mal nichts ändern: Sie forscht als Politologin über transatlantische Beziehungen - also ist sie gezwungen, zuweilen selbst eine zu führen.

"Meine Freundin hat so viel Lust an der Arbeit, ich will ihr da nicht im Weg stehen. Die Zeiten des Heimchens am Herd sind endgültig vorbei", formuliert Wittmann so selbstlos wie möglich. 

Für die beiden Jungwissenschaftler läuft es wohl auf eine Lebensform hinaus, die Soziologen und Psychologen Dual Career Couple (DCC) nennen - eine Beziehung, zwei Karrieren. Und die finden immer häufiger an verschiedenen Orten, nicht selten sogar in verschiedenen Ländern statt. 

Prominente Beispiele: ZDF-Klatschmoderatorin Nina Ruge (München) und Ford-Manager Wolfgang Reitzle (London). Auch Lothar Matthäus, Fußballstar unter weißblauer Flagge, hat eine Bayern-Britannien-Connection aufgebaut. Seine neue Freundin Maren Müller-Wohlfahrt studiert in London. Eine privilegierte Fernliebe allerdings: Zittert sie vor Prüfungen, kann er es sich leisten, sich zum Händchenhalten einfliegen zu lassen. 

Doch die meisten Paare auf Distanz sind alles andere als die Helden der Globalisierung. Sie erweisen sich, folgt man den Experten, als bedauernswerte Kreaturen, die ihren Arbeitgebern Nerven und auch Geld rauben können. 

So beschreibt die Sozialwissenschaftlerin Ariane Ladwig in ihrer  Dissertation zum Beispiel den unwillkürlichen Motivationsabfall vieler DCCs. Peter Rogahn, 35, aus Hamburg, der wie alle Unternehmensberater unterschiedliche Firmen betreut und daher  regelmäßig seine Einsatzorte wechselt, sagt: "Ganz klar: Der Hauptgrund, warum Kollegen irgendwann ihre meist glänzend bezahlten Jobs bei Unternehmensberatungen kündigen, ist die Dauerbelastung der Beziehungen durch die Distanz." 

Die Liste der Peinigungen ist lang. 
Da sind die enormen Zusatzkosten:
"Würden wir an einem Ort wohnen", ärgert sich ein Paar, das zwischen Hamburg und Frankfurt pendelt, "könnten wir ein ganzes Haus mieten." Nun aber lebt jeder in einer Zweizimmerwohnung, jeder bezahlt rund 1000 Mark Miete und monatlich 200 Mark fürs Liebesgeflüster am Telefon. Knapp 600 Mark geben sie insgesamt fürs Hin- und Herreisen aus. 

Zu den Un-Kosten kommen psychologische Abgründe. Viele Paare berichten von totaler Erschöpfung durch die Reise und von der Neigung, sich der Müdigkeit nicht hinzugeben, um keine wertvolle gemeinsame Zeit zu vergeuden. 
Mögliche Folge: Die Partner verausgaben sich und trauen sich die Reiserei irgendwann gar nicht mehr zu. 

Etliche stöhnen, dass sie an zwei Orten wohnen, sich aber an keinem wirklich zu Hause fühlen: Am Heimatort vernachlässigen sie alte Freundschaften, um Zeit für den Partner zu haben, am Arbeitsort knüpfen sie keine neuen Kontakte, weil sie diese am Wochenende nicht pflegen können. 

Oder aber: Flüchtige verwurzeln sich schnell am neuen Ort, das bisherige Leben verliert an Reiz, denn neue Eindrücke sind immer stärker als Vertrautes. Irgendwann wird die alte Amour "wie ein Zeitungsabo, das man vergessen hat zu kündigen" - so zynisch sinniert ein Betroffener über seine Fern-Ehe, die viele Jahre, bevor sie geschieden wurde, am Ende war. 

Aber nicht nur das soziale System der Gebeutelten wankt - auch ihr Hormonhaushalt gerät zuweilen durcheinander: In einsamen Stunden suchen die Liebes-Leidenden Trost, beginnen Affären, die die eigentliche Beziehung ruinieren können. Paarforscher Hans Wilhelm Jürgens, Leiter des Anthropologischen Instituts der Kieler Universität, analysiert mitleidsvoll: "Diese Affären sind selten leichtfertige Abenteuer, sondern haben mit der Suche nach Geborgenheit zu tun."

Doch für solch verständnisvolle Motivforschung haben Pendler-Partner keine Nerven. Viele berichten von diffuser Dauereifersucht. Der eine kennt das Umfeld des anderen nicht, weiß etwa nicht, ob die Kollegin, von der der Partner "verdächtig oft" spricht, es auf ihn abgesehen hat und wahrscheinlich am Ende der Grund ist, warum er die letzten Abende telefonisch nicht erreichbar war. 

Von wüsten Betrugsszenen, in einsamen Nächten imaginiert, erzählen viele, wollen aber öffentlich nicht dazu stehen, weil sie selbst dem Partner gegenüber die Eifersucht nicht zugeben würden. 

Denn wo für Romantik wenig Zeit bleibt, soll kein Zwist die kostbaren Stunden stören. Probleme zu bereden, sich gar zu streiten - damit tun sich Zwangsdistanzierte schwer. Zoffereien am Telefon oder zwischen Tür und Angel frustrieren, fehlen doch Muße und Nähe zur leidenschaftlichen Versöhnung. So werden Konflikte verschoben, Ärger staut sich auf, und irgendwann kann es so gewaltig krachen, dass die Beziehung auseinander fliegt. 

Ist die Teilzeitliebelei also eine Sackgasse, der Anfang vom Ende? 

Friedhelm Julius Beucher, 53, der wie alle Bundestagsabgeordneten zwischen Wahlkreis und Regierungssitz hin- und herreisen muss, sieht ziemlich schwarz, wenn er sich die Pendelprofis seines Berufsstandes anschaut: "Ehen von Abgeordneten sind alle latent gefährdet und enden oft im Desaster." 

Auch der Berliner Guido Sigl, 40, der als Ausbilder von Animateuren in Ferienclubs Fernbeziehungsopfer geradezu züchtet, glaubt nicht an  die erfüllte Liebe auf Distanz. "In der Regel", weiß er, "scheitern die Beziehungen der Animateure zu ihren Partnern daheim. Das Leben im sonnigen Club unterscheidet sich so sehr vom grauen Alltagstrott des anderen, dass man sich rasch fremd wird." Sigl kategorisch: "Wer die Liebe des Lebens gefunden hat, geht gar nicht erst weg." 

Und weil er selbst in die Ferne liebt - seine Freundin Claudia Schumann lässt sich in Wien zur Fachärztin ausbilden -, überlegt er,  ihr bald hinterherzuziehen. Die Freundin ist vorsichtiger: "Auf Dauer kann man zwar nicht getrennt sein", aber sich eine gute berufliche Basis aufzubauen sei eben auch ein wichtiger Teil der persönlichen Entwicklung. 

Der Wunschberuf als Liebestöter - mit dieser unglückseligen Tendenz beschäftigt sich auch Michel Domsch, Soziologieprofessor an der Bundeswehr-Universität Hamburg: Er beobachtet, dass heutzutage der Freund oder die Freundin ganz pragmatisch mit den Städten gewechselt wird, in die es die kosmopolitischen Arbeitnehmer verschlägt. Habe das 18. Jahrhundert die Liebesehe statt der schnöden Zweckehe propagiert, praktiziere das späte 20. Jahrhundert das berufskompatible Bündnis auf Zeit. 

Viele Paare, glaubt Domsch, leben dabei ein zermürbendes  "Eigentlich-Leben": Sie sehnen sich eigentlich nach einer stabilen Beziehung, sie wollen eigentlich keine Geburtstagsfeier ihrer Kinder verpassen. Ansprüche, denen Pendelpartner und -eltern selten gerecht werden. 

Tatsächlich zerbrechen 57 Prozent der Long-Distance-Beziehungen - so will das Magazin "Elle" herausgefunden haben. 
Die Frauenzeitschrift beziffert auch die Gründe für das Scheitern: 93 Prozent aller befragten Pendelkundigen (2096 Männer, 2123 Frauen) beklagen den Mangel an Zärtlichkeit, 91 Prozent ist der doppelte Lebensunterhalt zu teuer, 69 Prozent leiden an dem Gefühl, sich zunehmend auseinander zu leben. 

Paarforscher Jürgens findet aber auch ermutigende Worte: "Pendelbeziehungen können funktionieren." Die Partner müssten so nervenschonend wie möglich miteinander umgehen. Hilfreich sei es, Rituale zu schaffen, sich an Verabredungen zu halten. Ein wenig Kontinuität für die sporadische Zweisamkeit. 

Ein Ratgeberbuch ("Ich in Bremen, du in Zürich", Herder-Verlag) legt nahe, "Perspektiven zu schaffen", also das Getrenntsein als Übergangsphase zu begreifen, wohl wissend, dass man sich in nicht allzu ferner Zukunft auf einen Ort einigen wird. 

Schauspielerin Heike Makatsch, 28, hatte jedenfalls schnell die ständigen Trennungen satt. Sie zog nach wenigen Monaten zu ihrem Freund, dem Schauspieler Daniel Craig, nach London. 

Paare, die nicht so bald zusammenkommen können, müssen sich anders trösten: "Jedes Treffen ein Fest", heißt es im Ratgeber. Wenn sich die Schmachtenden schon den Unbilden von Autobahn, Zug und Flugzeug ausliefern, warum sollen sie dann das Rendezvous nicht exzessiv zelebrieren? 

Von diesem Vorsatz hält auch Unternehmensberater Rogahn viel.
Gerade weil auf ihn am Wochenende nicht nur die Ehefrau, sondern auch die beiden Kinder warten. Den Kleinen zuliebe versuche er, die Zeit so nett wie möglich zu gestalten: "Mal fahren wir an die See oder gehen gut essen. Andere Familien investieren ihr Geld in den Hausbau, wir in schöne Momente." 

Allgemein gilt: Pendler gehen gestaltungswütiger an Beziehungen heran als sesshafte Langzeitpaare, und sie sind tendenziell harmoniesüchtiger - keine schlechten Voraussetzungen für das Funktionieren einer Verbindung.

Ein weiterer Pluspunkt: Jeder ist durch die getrennte Haushaltsführung sein eigener oberster Dienstleister, leidige Abwasch- und Müllentsorgungsdebatten erübrigen sich meist. 

Und zuletzt: Das gewisse Fremdeln, das viele Partner empfinden, wenn sie nach längerer Auszeit aufeinander treffen, hat nicht nur Nachteile: Gerade Fremdheit trägt zur Spannung der ersten Verliebtheit bei - umso besser, wenn Paare dieses Gefühl immer wieder erneuern können. 

So ist nicht alle Hoffnung verloren, wenn sich die Fernbeziehung tatsächlich zur Lebensform der Zukunft entwickeln sollte. 

Denn in der absurden Logik der Liebe stimmen auch jene Worte, die Goethe im "Faust" seinen Oberon sagen lässt: "Gatten, die sich  vertragen wollen, lernens von uns beiden! Wenn sich zweie lieben sollen, braucht man sie nur zu scheiden."

SUSANNE BEYER, ULRIKE KNÖFEL Quelle

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Sehnsucht und der Vorfreude auf das Wiedersehen

 

Heißt Fortkommen heute fortgehen? 

Heute lebt - wer sich liebt - nicht mehr unbedingt zusammen. Waren es früher die Fernfahrer- oder Seemannsehen, in denen der eine Partner fast nie zuhause war, leben heute schon dreizehn Prozent aller Paare getrennt. Sie tun dies nicht immer freiwillig. Die weitaus meisten dieser Paare gehen aus beruflichen Gründen eine Trennung von "Tisch und Bett" ein. 

In Zeiten, in denen berufliches Fortkommen, der Beginn einer Ausbildung oder der Verlust des alten Arbeitsplatzes mit der Notwendigkeit zur Mobilität einhergehen, steigt die Zahl derer, die an unterschiedlichen Orten leben. So hat sich Zahl der Pendlerpartnerschaften in den letzten zehn Jahren verdoppelt und sie steigt ständig. Seit die Frauen nicht mehr ihren Männern folgen und ihren Beruf aufgeben oder ihre Karriere hintenan stellen, wie es noch in unserer Elterngeneration selbstverständlich war, bleibt heute vielen Paaren nur die räumliche Trennung, wenn es der Job verlangt. Viele Paare  lassen sich dabei auf neue Formen des Zusammenlebens ein, besonders für Paare mit Kindern ein nicht immer einfacher Alltag. 

Getrennt leben - vereint lieben 

Daß eine Wochenendehe nicht das Aus für die Liebe bedeuten muß, beweisen die vielen Paare, die sich trennen mußten, weil es der Job verlangte. Aber natürlich auch die Paare, die allzu enge Bindungen nicht ertragen können, und für die eine Fernbeziehung des Rätsels Lösung ist. 

Trotzdem ist für die meisten eine Ehe oder Beziehung auf Distanz nicht immer die ideale Lösung. Die Probleme stecken im Detail und kosten Zeit, Geduld und Geld. Für die mobilen Paare ist das Zusammensein immer eine Ausnahme, nie kehrt Alltag ein, jede Begegnung muß geplant werden, ständig wird der Koffer gepackt und man verbringt unendlich viel Zeit auf Reisen, außerdem mangelt es an Zeit für die Freunde und Verwandten, nirgendwo ist man so richtig zu Hause. Zwei Haushalte, häufiges Telefonieren und die ständigen Fahrten kosten viel Geld und immer wieder heißt es Abschied nehmen. 

Die Long-Distance-Liebe erfordert viel Pflege und Hege, denn im Vorbeigehen können keine Probleme gelöst werden. Die Paare müssen sich sofort aufeinander einstellen können, fremdeln ist nicht drin, dazu ist die Zeit zusammen zu kurz, sie müssen Leidenschaft auf Kommando entwickeln können und schnell und konzentriert ihre Probleme erörtern, besser noch, keine mitbringen in das kostbare Wochenende zu zweit. Tägliche Einsamkeit und manch verzehrende Stunde der Eifersucht gilt es auszuhalten.

Shuttle-Beziehungen sind eine große Herausforderung. 

Aber nicht selten steckt für die Paare in der Aufgabe der traditionellen Lebensform auch eine Chance. Die Liebe eines Pendlerpaares ist immer frisch und neu, geprägt von Sehnsucht und der Vorfreude auf das Wiedersehen,

Gewohnheiten können gar nicht zu Ermüdungserscheinungen im Ehealltag  führen. Im Berufsalltag haben sie alle Zeit der Welt sich zu engagieren. Sie können Karriere machen, ohne daß sie auf einen wartenden Partner Rücksicht nehmen müssen. Der Haushalt darf nach Single-Leben aussehen, denn niemand erwartet einen gefüllten Kühlschrank, man kann sich Freunde suchen, die dem Partner nicht unbedingt passen müssen. Das eigene Konto macht  unabhängig und nur wenn man es möchte, sieht man sich. 

Viele Zwänge sind verschwunden, die ein ständiges Zusammenleben fast  zwangsläufig mit sich bringen. Die Utopie eines freiwilligen Liebeslebens ohne Alltagsstreß scheint in greifbare Nähe gerückt. 

Sicher, manch einer mag zustimmend mit dem Kopf nicken, für viele aber ist und bleibt diese Beschreibung graue Theorie und hat wenig mit der Realität der betroffenen Paare zu tun hat. 

Die liegt wohl eher in einem Kompromiß zwischen den Wünschen und Vorstellungen. Von allem, was eine Beziehung zu bieten hat, ein bißchen, das erscheint den meisten Paaren das beste Rezept für eine stabile Beziehung zu  sein, sowohl für das ständige Zusammenleben als auch für die Liebe auf Distanz. Viele Wochenendpaare haben sich mit ihrer Situation arrangiert, andere sind immer noch auf der Suche nach einem funktionierenden Arrangement für ihre Fernliebe. 

Immer getrennt - rasch wieder zusammen? 

Haben die Paare sich erstmal an die Distanzbeziehung gewöhnt, stellt sich häufig ein typischer Wochenendrhythmus ein: Freitag nach der Arbeit schnell in den Zug oder das Flugzeug - das Auto lassen lange getrennt Liebende meistens stehen, denn selber fahren bedeutet Streß - und die kurze Ehe kann beginnen.
Für einige eine dauerhafte Lebensform. 

Für viele Paare aber ist die Wochenendehe nur eine Frage der Zeit und keine Dauerlösung. Gerade Paare mit Kindern wünschen sich ein rasches Ende der Wochenendfamilie und bei jungen Paaren, die in eine solche Beziehung hinein ein Kind bekommen, endet die Distanzbeziehung doch schneller als geplant, und die junge Mutter kehrt aus dem Mutterschutz nicht mehr an den Arbeitsplatz zurück. Aber auch das ist nicht zwangsläufig der Fall: Paare mit Kindern leben getrennt und obwohl nicht geschieden, bilden sie eine Alleinerziehenden-Familie. 

Obwohl die Lebensumstände sich gravierend geändert haben - die Lebensform Wochenendbeziehung ist ein Ausdruck davon - reagiert die Gesellschaft noch sehr schleppend auf die Bedürfnisse dieser Paare. Arbeitgeber, Finanzämter und andere Behörden, Bahnen und Fluglinien, Kindergärten und Schulen - auf die speziellen Sorgen und Bedürfnisse dieser Menschen haben sie keine Antworten. 

Aber wenigstens die Mehraufwendungen für eine doppelte Haushaltsführung können Ehepaare und sogar Lebenspartner gegenüber dem Finanzamt geltend machen. So kann man z.B. Werbungskosten angeben und die Aufwendungen, die mit der doppelten Haushaltsführung zusammenhängen, wie Fahrten, Telefonkosten, zusätzliche Mietkosten etc. steuermindernd geltend machen. 

Daß Long-Distance-Partner nicht nur über viel Geduld, einiges an Geld und ein großes Organisationstalent verfügen müssen, um in allen Fährnissen bestehen zu können, die ihre noch immer seltenen Lebensumstände begleiten, steht da wohl außer Frage. 

       Quelle

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Die Entfernung ist für die Liebe wie der Wind für das Feuer. Das starke facht er an, das schwache bläst er aus.” 

Räumlich getrennt, seelisch vereint  - bei vielen jungenLiebespaaren ist dieser Zustand normal. 

Fast jeder hat schon einmal, und sei es nur für kurze Zeit, eine Fernliebe erlebt. Der Mainzer Soziologieprofessor Norbert Schneider hat nun im Auftrag des Bundesfamilienministeriums eine Studie über berufliche Mobilität und Lebensform” erarbeitet. Die Ergebnisse sollen am 12. Juli vorgestellt werden.

LIEBE AUF DISTANZ” NIMMT ZU
Die Liebe auf Distanz ist zwar (noch) nicht die Lebensform der Mehrheit, aber in Zeiten der Globalisierung ist das Reisen von A nach B - von der Arbeit zur Beziehung - für viele zwischen 18 und 39 Jahren normal geworden. Berufliches Fortkommen bedeutet heute oft Fortgehen. “Die Leitfigur unserer Zeit ist das mobile Subjekt -flexibel, ungebunden, leistungsstark”, sagt Soziologe Schneider.

Der aus diesem Idealbild entstehende Druck mache die Vereinbarkeit von Beruf und privatem Glück immer schwerer. Die Deutschen, die im internationalen Vergleich lange Zeit als “Mobilitätsmuffel” galten, würden immer mobiler, sagt Schneider. Jede achte Liebe etwa ist nach Schätzungen inzwischen eine gewollte oder ungewollte Fernliebe. 1985 sollen es nur halb so viele gewesen sein.

RHEIN-MAIN-GEBIET ALS HOCHBURG
Egal, ob Beamter oder Banker, Ingenieur oder Journalist, Monteur oder Manager, Student oder Stewardess: Millionen Paare sind betroffen, insbesondere unverheiratete Paare der Mittelschicht. “
In bestimmten Branchen - beispielsweise in Medienberufen oder bei Banken sowie im Universitätsbetrieb - sind Fernbeziehungen an der Tagesordnung”, sagt Lebensform-Experte Norbert Schneider, der selbst Erfahrungen mit einer Fernbeziehung hat. Das Rhein-Main-Gebiet, aber auch Berlin und Hamburg, gelten als Hochburgen von Fernliebenden.

Eines der vielen betroffenen Paare hat ein Buch über die Fernliebe geschrieben: Die in Bochum arbeitende Theaterwissenschaftlerin Karin Freymeyer und ihr Freund, der Journalist Manfred Otzelberger, der im 600 Kilometer entfernten Bayreuth lebt. Das Reportagebuch mit vielen Erlebnisberichten und Tipps verkauft sich nach Verlagsangaben sehr gut.

FERNLIEBENDE LEIDEN
Viele Fernliebende leiden. Das belegte vor einigen Jahren eine Umfrage der Zeitschrift “Elle” unter jeweils etwa 2000 fernliebenden Männern und Frauen. Fast alle beklagten den alltäglichen Mangel an Zärtlichkeit. Zwei Drittel hatten stets das Gefühl, sich auseinander zu entwickeln, die Hälfte war wegen der mangelnden Kontrolle regelmäßig eifersüchtig. Die durchschnittliche Fernbeziehung dauert der Umfrage zufolge etwa zwei bis drei Jahre. Dann kommt meist der Wendepunkt: Trennen wir uns oder ziehen wir zusammen?

Wenn man sich selten trifft, sieht man den Partner mit falschen Augen. Es gibt keine Nähe, nur punktuell.
Dazwischen ist ein großes Loch, das man auffüllt mit Mythen und Affären”, sagt Spanischstudent Lars (29), der eine Fernbeziehung mit einer Spanierin hatte. 

Verlagskauffrau Petra (31) ist da romantischer: “Ich lebe nur noch auf das Wochenende hin.” Unter der Woche, wenn sie ihre Freundin Carla nicht sehe, sei sie hingegen vor lauter Sehnsucht kein richtiger Mensch mehr. 

Der Frankfurter Maschinenbau-Ingenieur Jürgen (32), dessen Freundin in Düsseldorf lebt, sagt: “In Fernbeziehungen geht leider die Spontaneität verloren. Die Wochenenden müssen genau verplant werden. Das ist oft sehr anstrengend und kann zur Bewährungsprobe für die Liebe werden.”

LANGE ERFAHRUNGSWERTE
Dass es Erfahrungen mit der Fernliebe schon seit langem gibt, beweist ein Blick in philosophische Bücher. So hatte schon der altchinesische Philosoph Lao-Tse drei Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung folgende Weisheit zur Fernliebe parat: Die Entfernung ist für die Liebe wie der Wind für das Feuer. Das starke facht er an, das schwache bläst er aus.

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Buchtipps zum Thema
Belletristik:
BOGEN, Uwe (1994): Die ferne Frau. Wenn die Liebe am Wochenende auf Reisen geht, Frankfurt a/M: Fischer Taschenbuch 

weiterführende Literatur:

Freymeyer/Otzelberger (2000): In der Ferne so nah. Lust und Last der Wochenendbeziehungen
Pfeifer, Franziska (1996): Ich in Bremen, Du in Zürich. Wenn Paare, die sich lieben, getrennt leben. Herder, Freiburg
Michael Lukas Möller (1996): Die Liebe ist das Kind der Freiheit.rororo-Taschenbuch, 1996
Willi (1996): Was hält Paare zusammen ? Der Prozeß des Zusammenlebens in psycho-ökologischer Sicht.Reinbek,Rowohlt 
Keil/Haak(1995): Partnerschaft leben lernen. Falken-Verlag Nr. 1518
Welter-Enderlin (1995): Paaare, Leidenschaft und lange Weile. München: Piper Verlag
Schmitz-Köster, Dorothee (1990): Liebe auf Distanz. Getrennt zusammen leben, Reinbek: Rowohlt
Eder, Ruth (1990): Jeder lebt sein Leben und doch sind wir zusammen. Die Teilzeit-Ehe, München: Goldmann
Seul, Arnold (1989): Liebe auf Distanz. Der neue Trend: die Fernbeziehung, in: Wiener, April 
Schoenake, Theo (1988)r: Die neue Partnerschaft – Das Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz gewinnen.Goldmann
Ulrich Beck, Elisabeth Beck-Gernsheim: Das ganz normale Chaos der Liebe.
Standardwerk über Liebe, Ehe und die Konflikte damit in unserer modernen Gesellschaft, mit Rückblick in die Vergangenheit. 

Michael Lukas Möller: Die Wahrheit beginnt zu zweit. Das Paar im Gespräch. 1997.

Zeitschriften
Martina Wimmer: Reichen 48 Stunden für die Liebe?. Allegra, Nr. 7 1997.
Dorothee Schmitz-Köster: Liebe nur am Wochenende. Psychologie heute, Januar 1991.
 

Wissenschaftliche
PEUCKERT, Rüdiger (1999): Familienformen im sozialen Wandel
KIRSCHNER, Betty F./WALUM, Laurel R. (1978): Two-Location Families: Married Singles, in: Alternative Lifestyles, 1, 4, S. 513-525

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