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Fernbeziehungen gab es schon immer, die Sage erzählt von ihnen, Goethe, Schiller und co. wussten ein Lied davon zu singen.
Das wohl bekannteste Lied: Es waren zwei Königskinder

Der Stoff geht weit zurück, schon altertümliche Sagen erzählen vom Schicksal der Hero und des Leander. 
Die historischen Fernbeziehungen, die ich bisher gefunden habe, endeten tragisch. So zum Beispiel Karthagos Königin Dido, die sich lieber für den Freitod entschied, als ihren Aeneas aus der Ferne zu lieben. 

Auch in der Moderne findet man faszinierende Dokumente von Fernbeziehungen. So z.B. die Briefwechsel zwischen dem Arzt und Dichter Anton Tschechow und der Schauspielerin Olga Knipper. oder aber auch die Briefe, die Franz Kafka an Milena Jesenská schrieb.

Dieses Thema fasziniert mich sehr und ich werde mal sehen, ob ich nicht auch auf glückliche Fernlieben stoße. Vielleicht hast Du ja auch  einen Tipp und mailst ihn mir?

Weiter unten findest Du Buchtipps und Links.



 
 
 
Eduard Mörike (1804-1875)

Aus der Ferne

Weht, o wehet, liebe Morgenwinde! 
Tragt ein Wort der Liebe hin und wieder!

Er: Vor der Stadt, wo du hinausgeritten, 
Auf dem Maultier, du mit den Begleitern, -
Stund um Stunde sitz ich dort in Trauer, 
Wie ein scheuer Geist am hellen Tage.

Sie: Weder Freude hab ich, die mich freute, 
Weder Kummer, der mir nahe ginge, 
Als nur jene, daß du mein gedenkest, 
Als nur diesen, daß ich dich nicht habe.

Er: Ist ein Stein, darauf dein Fuß getreten, 
Fliegt ein Vogel, der vielleicht dich kennte, 
Jedem Höckenweibe möcht ichs sagen, 
Laut am offnen Markte könnt ich weinen.

Weht, o wehet, liebe Morgenwinde! 
Tragt ein Wort der Liebe hin und wieder!

Er: Sollt ich Trost bei den Genossen suchen? 
Noch kein Fröhlicher hat wahr getröstet.

Sie: Kann ich Meinesgleichen mich vertrauen?
Halb mit Neid beklagten sie mich Arme.

Er: In der Halle, wo sie abends trinken,
Sang ein hübsches Mädchen zu der Harfe;
Ich kam nicht zur Halle, saß alleine,
Wie ein kranker Sperber auf der Stange.

Sie: Auf den Altan zogen mich die Mädchen:
»Komm, die schönen Jünglinge zu sehen,
Die vorüberziehn im Waffenschmucke.«
Ungern folgt ich, mit verdroßnen Augen.

Weht, o wehet, liebe Morgenwinde! 
Tragt ein Wort der Liebe hin und wieder!

Er: Die Korallenschnur von deinem Halse,
Die du noch zum Abschied mir gegeben,
Tausendmal am langen Tage drück ich,
Tausendmal bei Nacht sie an den Busen.

Sie: Dieses Balsamfläschchen an der Kette,
Weg muß ichs von meinem Herzen nehmen,
Mich befängt ein Liebeszauberschwindel, 
Wohlgeruch der Liebe will mich töten.

Er: Eine Nacht, ach, hielt ich dich im Arme,
Unter Küssen dich auf meinem Schoße;
Ein Jasminzweig blühte dir im Haare,
Kühle Lüfte kamen durch das Fenster.

Sie: Heut im Bette, früh, es dämmert' eben,
Lag ich in Gedanken an den Liebsten:
Unwillkürlich küßt ich, wie du küssest,
Meinen Arm, und mußte bitter weinen.

Still, o stille nun, ihr Morgenwinde! 
Wehet morgen in der Frühe wieder!

Literatur: Eduard Mörike
Sämtliche Werke in vier Bänden. Erster Band: Gedichte. 
Carl Hanser Verlag München 1981




 
Es waren zwei Königskinder

Es waren zwei Königskinder,
die hatten einander so lieb;
sie konnten zusammen nicht kommen,
das Wasser war viel zu tief. 

»Ach Liebster, könntest du schwimmen,
so schwimm doch herüber zu mir!
Drei Kerzen will ich anzünden,
und die sollen leuchten zu dir.« 

Das hört ein falsches Nörnchen,
die tät als wenn sie schlief;
sie tät die Kerzlein auslöschen,
der Jüngling ertrank so tief. 

Es war an ei'm Sonntagmorgen,
die Leute waren alle so froh;
nicht so die Königstochter,
ihre Augen saßen ihr zu. 

»Ach Mutter, herzliebste Mutter,
mein Kopf tut mir so weh!
Ich möcht so gern spazieren
wohl an die grüne See.« 

»Ach Tochter, herzliebste Tochter,
allein sollst du nicht gehn,
weck auf dein jüngste Schwester,
und die soll mit dir gehn!« 

»Ach Mutter, herzliebste Mutter,
meine Schwester ist noch ein Kind,
sie pflückt ja all die Blümlein,
die auf Grünheide sind.« 

»Ach Tochter, herzliebste Tochter,
allein sollst du nicht gehn,
weck auf dein jüngsten Bruder
und der soll mit dir gehn!« 

»Ach Mutter, herzliebste Mutter,
mein Bruder ist noch ein Kind,
der schießt ja all die Vöglein,
die auf Grünheide sind.« 

Die Mutter ging nach der Kirche,
die Tochter hielt ihren Gang,
sie ging so lang spazieren,
bis sie den Fischer fand. 

»Ach Fischer, liebster Fischer,
willst du verdienen groß Lohn,
so wirf dein Netz ins Wasser
und fisch mir den Königssohn!« 

Er warf das Netz ins Wasser,
es ging bis auf den Grund;
er fischte und fischte so lange,
bis er den Königssohn fand. 

Sie schloß ihn in ihre Arme
und küßt seinen bleichen Mund:
»Ach Mündlein, könntest du sprechen,
so wär mein jung Herz gesund!« 

Was nahm sie von ihrem Haupte?
ein goldne Königskron:
»Sieh da, du wohledler Fischer,
hast dein verdienten Lohn!« 

Was zog sie von ihrem Finger?
ein Ringlein von Gold so rot:
»Sieh da, du wohledler Fischer,
kauf deinen Kindern Brot!« 

Sie schwang sich um ihren Mantel
und sprang wohl in die See:
»Gut Nacht, mein Vater und Mutter,
ihr seht mich nimmermeh!« 

Da hört man Glöcklein läuten,
da hört man Jammer und Not,
hier liegen zwei Königskinder,
die sind alle beide tot. 


 
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Hero und Leander

Die Sage von der unglücklichen Liebe des durch das Meer getrennten Paares ist zum erstenmal von einem hellenistischen Dichter dargestellt worden. In Rom diente die traurige Begebenheit Ovid als Hintergrund für zwei leidenschaftliche Briefe der beiden Liebenden. Erst gegen Ende des 5. Jahrhunderts wurde der Stoff von dem Poeten Musaios der Nachwelt überliefert.

Zwei von Natur und Schicksal füreinander bestimmte Liebende finden sich endlich nach einigen Fährnissen. Nach kurzem, heimlichem Glück und nachdem sie sich ein paar Tage nicht sehen können, erkennen sie, daß ein Leben ohne die ständige Liebe des anderen sinnlos ist. Ihre Liebe duldet keine Trennung. Leander stürzt sich trotz großer Gefahr für sein Leben ins Meer, um zu der Geliebten zu schwimmen, und ertrinkt. Hero folgt ihm in den Tod.

 


Hero und Leander
Friedrich Schiller (1759-1805)

Seht ihr dort die altergrauen
Schlösser sich entgegenschauen,
Leuchtend in der Sonne Gold,
Wo der Hellespont die Wellen
Brausend durch der Dardanellen
Hohe Felsenpforte rollt?
Hört ihr jene Brandung stürmen,
Die sich an den Felsen bricht?
Asien riß sie von Europen;
Doch die Liebe schreckt sie nicht. 
    Heros und Leanders Herzen
Rührte mit dem Pfeil der Schmerzen
Amors heil'ge Göttermacht.
Hero, schön wie Hebe blühend,
Er, durch die Gebirge ziehend
Rüstig, im Geräusch der Jagd.
Doch der Väter feindlich Zürnen
Trennte das verbundne Paar,
Und die süße Frucht der Liebe
Hing am Abgrund der Gefahr. 

    Dort auf Sesto's Felsenthurme,
Den mit ew'gem Wolkensturme
Schäumend schlägt der Hellespont,
Saß die Jungfrau, einsam grauend,
Nach Abydos' Küste schauend,
Wo der Heißgeliebte wohnt.
Ach, zu dem entfernten Strande
Baut sich keiner Brücke Steg,
Und kein Fahrzeug stößt vom Ufer;
Doch die Liebe fand den Weg. 

    Aus des Labyrinthes Pfaden
Leitet sie mit sicherm Faden,
Auch den Blöden macht sie klug,
Beugt ins Joch die wilden Thiere,
Spannt die feuersprühnden Stiere
An den diamantnen Pflug.
Selbst der Styx, der neunfach fließet,
Schließt die Wagende nicht aus;
Mächtig raubt sie das Geliebte
Aus des Pluto finsterm Haus. 

    Auch durch des Gewässers Fluthen
Mit der Sehnsucht feur'gen Gluthen
Stachelt sie Leanders Muth.
Wenn des Tages heller Schimmer
Bleichet, stürzt der kühne Schwimmer
In des Pontus finstre Fluth,
Theilt mit starkem Arm die Woge,
Strebend nach dem theuren Strand,
Wo, auf hohem Söller leuchtend,
Winkt der Fackel heller Brand. 

    Und in weichen Liebesarmen
Darf der Glückliche erwarmen
Von der schwer bestandnen Fahrt
Und den Götterlohn empfangen,
Den in seligem Umfangen
Ihm die Liebe aufgespart,
Bis den Säumenden Aurora
Aus der Wonne Träumen weckt
Und ins kalte Bett des Meeres
Aus dem Schooß der Liebe schreckt. 

    Und so flohen dreißig Sonnen
Schnell, im Raub verstohlner Wonnen,
Dem beglückten Paar dahin,
Wie der Brautnacht süße Freuden,
Die die Götter selbst beneiden,
Ewig jung und ewig grün.
Der hat nie das Glück gekostet,
Der die Frucht des Himmels nicht
Raubend an des Höllenflusses
Schauervollem Rande bricht. 

    Hesper und Aurora zogen
Wechselnd auf am Himmelsbogen;
Doch die Glücklichen, sie sahn
Nicht den Schmuck der Blätter fallen,
Nicht aus Nords beeisten Hallen
Den ergrimmten Winter nahn.
Freudig sahen sie des Tages
Immer kürzern, kürzern Kreis;
Für das längre Glück der Nächte
Dankten sie bethört dem Zeus. 

    Und es gleichte schon die Wage
An dem Himmel Nächt' und Tage,
Und die holde Jungfrau stand
Harrend auf dem Felsenschlosse,
Sah hinab die Sonnenrosse
Fliehen an des Himmels Rand.
Und das Meer lag still und eben,
Einem reinen Spiegel gleich,
Keines Windes leises Weben
Regte das krystallne Reich. 

    Lustige Delphinenschaaren
Scherzten in dem silberklaren
Reinen Element umher,
Und in schwärzlicht grauen Zügen,
Aus dem Meergrund aufgestiegen,
Kam der Tethys buntes Heer.
Sie, die Einzigen, bezeugten
Den verstohlnen Liebesbund;
Aber ihnen schloß auf ewig
Hekate den stummen Mund. 

    Und sie freute sich des schönen
Meeres, und mit Schmeicheltönen
Sprach sie zu dem Element:
»Schöner Gott, du solltest trügen!
Nein, den Frevler straf' ich Lügen,
Der dich falsch und treulos nennt.
Falsch ist das Geschlecht der Menschen,
Grausam ist des Vaters Herz;
Aber du bist mild und gütig,
Und dich rührt der Liebe Schmerz. 

    »In den öden Felsenmauern
Müßt' ich freudlos einsam trauern
Und verblühn in ew'gem Harm;
Doch du trägst auf deinem Rücken,
Ohne Nachen, ohne Brücken,
Mir den Freund in meinen Arm.
Grauenvoll ist deine Tiefe,
Furchtbar deiner Wogen Fluth,
Aber dich erfleht die Liebe,
Dich bezwingt der Heldenmuth. 

    »Denn auch dich, den Gott der Wogen,
Rührte Eros' mächt'ger Bogen,
Als des goldnen Widders Flug
Helle, mit dem Bruder fliehend,
Schön in Jugendfülle blühend,
Über deine Tiefe trug.
Schnell, von ihrem Reis besieget,
Griffst du aus dem finstern Schlund,
Zogst sie von des Widders Rücken
Nieder in den Meeresgrund. 

    »Eine Göttin mit dem Gotte,
In der tiefen Wassergrotte,
Lebt sie jetzt unsterblich fort;
Hilfreich der verfolgten Liebe,
Zähmt sie deine wilden Triebe,
Führt den Schiffer in den Port.
Schöne Helle, holde Göttin,
Selige, dich fleh' ich an:
Bring auch heute den Geliebten
Mir auf der gewohnten Bahn!« 

    Und schon dunkelten die Fluthen,
Und sie ließ der Fackel Gluthen
Von dem hohen Söller wehn.
Leitend in den öden Reichen
Sollte das vertraute Zeichen
Der geliebte Wandrer sehn.
Und es saust und dröhnt von ferne,
Finster kräuselt sich das Meer,
Und es löscht das Licht der Sterne,
Und es naht gewitterschwer. 

    Auf des Pontus weite Fläche
Legt sich Nacht, und Wetterbäche
Stürzen aus der Wolken Schooß;
Blitze zucken in den Lüften,
Und aus ihren Felsengrüften
Werden alle Stürme los,
Wühlen ungeheure Schlünde
In den weiten Wasserschlund;
Gähnend, wie ein Höllenrachen,
Öffnet sich des Meeres Grund. 

    »Wehe, weh mir!« ruft die Arme
Jammernd. »Großer Zeus, erbarme!
Ach, was wagt' ich zu erflehn!
Wenn die Götter mich erhören,
Wenn er sich den falschen Meeren
Preis gab in des Sturmes Wehn!
Alle meergewohnten Vögel
Ziehen heim, in eil'ger Flucht;
Alle sturmerprobten Schiffe
Bergen sich in sichrer Bucht. 

    »Ach, gewiß, der Unverzagte
Unternahm das oft Gewagte,
Denn ihn trieb ein mächt'ger Gott.
Er gelobte mir's beim Scheiden
Mit der Liebe heil'gen Eiden,
Ihn entbindet nur der Tod.
Ach, in diesem Augenblicke
Ringt er mit des Sturmes Wuth,
Und hinab in ihre Schlünde
Reißt ihn die empörte Fluth! 

    »Falscher Pontus, deine Stille
War nur des Verrathes Hülle,
Einem Spiegel warst du gleich;
Tückisch ruhten deine Wogen,
Bis du ihn heraus betrogen
In dein falsches Lügenreich.
Jetzt, in deines Stromes Mitte,
Da die Rückkehr sich verschloß,
Lässest du auf den Verrathnen
Alle deine Schrecken los!« 

    Und es wächst des Sturmes Toben,
Hoch, zu Bergen aufgehoben,
Schwillt das Meer, die Brandung bricht
Schäumend sich am Fuß der Klippen;
Selbst das Schiff mit Eichenrippen
Nahte unzerschmettert nicht.
Und im Wind erlischt die Fackel,
Die des Pfades Leuchte war;
Schrecken bietet das Gewässer,
Schrecken auch die Landung dar. 

    Und sie fleht zu Aphrodite,
Daß sie dem Orkan gebiete,
Sänftige der Wellen Zorn,
Und gelobt, den strengen Winden
Reiche Opfer anzuzünden,
Einen Stier mit goldnem Horn.
Alle Göttinnen der Tiefe,
Alle Götter in der Höh'
Fleht sie, lindernd Öl zu gießen
In die sturmbewegte See. 

    »Höre meinen Ruf erschallen,
Steig aus deinen grünen Hallen,
Selige Leukothea!
Die der Schiffer in dem öden
Wellenreich in Sturmesnöthen
Rettend oft erscheinen sah.
Reich' ihm deinen heil'gen Schleier,
Der, geheimnißvoll gewebt,
Die ihn tragen, unverletzlich
Aus dem Grab der Fluthen hebt!« 

    Und die wilden Winde schweigen,
Hell an Himmels Rande steigen
Eos' Pferde in die Höh'.
Friedlich in dem alten Bette
Fließt das Meer in Spiegelglätte,
Heiter lächelnd Luft und See.
Sanfter brechen sich die Wellen
An des Ufers Felsenwand,
Und sie schwemmen, ruhig spielend,
Einen Leichnam an den Strand. 

    Ja, er ist's, der auch entseelet
Seinem heil'gen Schwur nicht fehlet!
Schnellen Blicks erkennt sie ihn.
Keine Klage läßt sie schallen,
Keine Thräne läßt sie fallen,
Kalt, verzweifelnd starrt sie hin.
Trostlos in die öde Tiefe
Blickt sie, in des Äthers Licht,
Und ein edles Feuer röthet
Das erbleichte Angesicht. 

    »Ich erkenn' euch, ernste Mächte!
Strenge treibt ihr eure Rechte,
Furchtbar, unerbittlich ein.
Früh schon ist mein Lauf beschlossen;
Doch das Glück hab' ich genossen,
Und das schönste Loos war mein.
Lebend hab' ich deinem Tempel
Mich geweiht als Priesterin;
Dir ein freudig Opfer sterb' ich,
Venus, große Königin!« 

    Und mit fliegendem Gewande
Schwingt sie von des Thurmes Rande
In die Meerfluth sich hinab.
Hoch in seinen Fluthenreichen
Wälzt der Gott die heil'gen Leichen,
Und er selber ist ihr Grab.
Und mit seinem Raub zufrieden,
Zieht er freudig fort und gießt
Aus der unerschöpften Urne

Seinen Strom, der ewig fließt.

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"Liebe ist Geschenk und Anstrengung, Gnade und Mühe" Anton Tschechow


Dido und Aeneas

Der Held Aeneas landet nach dem Fall seiner Heimatstadt Troja als Flüchtling in Karthago und wird von der Königin Dido, die das Flüchtlingsschicksal am eigenem Leibe erlebt hat, freundlich aufgenommen. Sie werden ein Liebespaar, doch die Verbindung kann nicht dauern. Auf göttliches Geheiß muß Aeneas Dido verlassen, denn er ist berufen, im fernen Italien eine eigene Stadt zu gründen, die Heimat für die ihn begleitenden Trojaner und seinen Sohn. Aus enttäuschter Liebe stirbt Dido auf dem Scheiterhaufen. 

 


 
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Anton Tschechow und Olga Knipper

Anton Tschechow (1860 - 1904) ist eine der wichtigsten und faszinierendsten Gestalten der russischen Literatur der Jahrhundertwende. Der studierte Mediziner praktizierende Arzt wandte sich früh dem Journalismus und der Literatur zu.

Als die Moskauer Schauspielerin Olga Knipper (1868-1959) Tschechow kennenlernte, war 30; er war 38 und schon im fortgeschrittenen Stadium seiner Tuberkulose. Fünf gemeinsame Jahre nur blieben den beiden, in denen sie häufig getrennt waren. Ihr faszinierender und bewegender Briefwechsel protokolliert die Geschichte einer leidenschaftlichen Liebe und außergewöhnlichen Ehe.

Es ist der Briefroman einer Liebe zwischen zwei Menschen, die so magisch voneinander angezogen waren und so sehr ihre eigene Freiheit brauchten. Sie wurden ein Paar, um getrennt zu leben. 
"So dumm geht das Leben vorbei", kommentiert Tschechow wenige Monate nach ihrer Heirat. 
Olga resümierte im August 1902:  "Überhaupt ist aus unserem Leben etwas Absurdes geworden." 
Oder: "Ich fühle mit Entsetzen, wie mein Leben eng wird. Wie man sich dreht und wendet - überall sind Mauern," schreibt Olga in einer depressiven Phase.

                                                                                                
Tschechows Briefe an Olga sind von spröder Zärtlichkeit, voll Ironie ("Ausbeuterin meiner Seele" nennt er sie in einem in Nizza geschriebenen Brief) und doch voll Verlangen. Dazu Olga: "Das ist mir zu wenig, obwohl ich mich schon mit Deinem lakonischen Briefstil abgefunden habe. Du wirst mir bald Postkarten schicken und dann nur noch zwei Worte: Ich lebe oder so etwas Ähnliches." 

Sie brauchten einander, so scheint es, um sich voneinander abstoßen zu können. Eine der längsten Zeiten, die sie gemeinsam verbracht haben, war auf Tschechows letzter Reise, die mit seinem Tod in Badenweiler (1904) endete.
 
 

 

Brief an Olga Knipper vom 15.12.1900

"Meine Liebe, so merkwürdig es auch ist, aber ich fühle mich, als wäre ich vom Mond gefallen. Es ist warm, die Sonne scheint, was sie kann, im Mantel ist es einem heiß, alle gehen in Sommerkleidern. Die Fenster in meinem Zimmer stehen sperrangelweit offen, und mein Herz steht ebenfalls sperrangelweit offen. Ich schreibe mein Stück ab und staune, wie ich dieses Ding habe schreiben können, und wozu. 

Ach, mein liebes Herz, warum bist Du nicht hier? Du könntest dich umsehen, dich erholen, dir die Straßensänger und -musikanten anhören, die dauernd in den Hof kommen, und vor allem dich sonnen. Gleich gehe ich ans Meer, ich werde dort sitzen und Zeitung lesen, und dann, wieder zu Hause, mit dem Abschreiben anfangen und morgen schicke ich Nemirivic schon den  III.Akt, und übermorgen den IV. oder beide zusammen. Im III.Akt habe ich einiges geändert, einiges hinzugefügt, aber nur sehr wenig......... 

ich umarme dich fest, küsse dich tausendmal. Ich warte voller Ungeduld auf einen Brief, einen langen Brief. Ich verneige mich bis zur Erde.... bleib gesund, mein Kindchen. Ich liebe dich sehr."
 

 

Brief an Olga Knipper, Nizza, 17.12.1900 
                                                                              
Ich bin schon die dritte Nacht in Nizza, und von dir noch keine einzige Zeile.Was soll dieser Traum bedeuten? Ich befehle Sie dies zu verstehen?
                                                                              
Meine liebe Olga, sei nicht faul, mein Engel, schreib deinem alten Mann öfter. Hier in Nizza ist es großartig, das Wetter wunderbar. Nach Jalta kommen einem die hiesige Natur und das hiesige Wetter einfach paradiesisch vor... Denke wenigstens einmal in der Woche an mich. Ich umarme dich noch einmal, und nochmal. 

Dein Antoine.
 

                                                                               
 

                                                                               
 


 
 
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Buchtipps zum Thema
 

Franz Kafka
Briefe an Milena

Anton Tschechow und Olga Knipper 

Mein ferner lieber Mensch. Liebesbriefe.
Ausgewählt und hrsg. von Jean Benedetti. 


 

Anton Tschechow, Olga Knipper
Krokodil meines Herzens - Eine Liebesgeschichte in Briefen

Anton Tschechow: Briefe in fünf Bänden. 
Hrsg. und aus dem Russischen übersetzt von Peter Urban. 
Diogenes Verlag. Zürich 1998. 2344 Seiten. 298 DM

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Michael Grant, John Hazel
Lexikon der antiken Mythen und Gestalten
Orakel, Schätze und Monumente.
15. Aufl. 1980 DTV, München

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Nicholas Sparks
Weit wie das Meer
Roman

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Milorad Pavic
Die inwendige Seite des Windes oder Der Roman von Hero und Leander
Roman aus dem Serbokroatischen von Bärbel Schulte.

Hero und Leander sind schon in der Sage Liebende, deren Trennung erst der Tod aufhebt. Pavics Leander lebt als Kirchen- und Turmbaumeister im 17., Hero als Chemiestudentin im Belgrad des 20. Jahrhunderts. Nicht mehr das Meer, sondern die Zeit ist die Grenze, die die Liebenden trennt. Pavic erzählt zwei Geschichten vom Sterben und der Vereinigung, und das ist auch wörtlich zu verstehen: Die eine Geschichte lesen wir, wenn wir das Buch von vorne, die andere, wenn wir das Buch von hinten aufschlagen. Ein Buch über die Seele, über die Möglichkeit und Unmöglichkeit der Berührung von Menschen in Zeit und Raum. 

 


Links zum Thema

Aeneas

Dido
Trauerspiel von Charlotte von Stein